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Autonomes Fahren - Wann kommen die selbstfahrenden Autos?

Fixico Team, 23 November 2018

Selbstfahrende Autos - kaum ein Thema wird momentan derart kontrovers diskutiert. Die Vorstellung, das Lenkrad im wahrsten Sinne des Wortes aus der Hand zu geben, ist ist für viele Autofahrer ebenso verlockend wie unheimlich. Gesetzgeber und Ethikkommissionen streiten über die Haftungsfrage im Fall von Unfällen, während Entwickler weltweit fieberhaft an immer besseren Sensoren und Algorithmen arbeiten. Doch wie weit ist die Entwicklung mittlerweile überhaupt fortgeschritten?

Entwicklungsstufen zum autonomen Fahren

Autonomes Fahren - was bedeutet das eigentlich? Die gängigste Definition besagt, dass selbstfahrende Autos in der Lage sind, sich ohne Eingreifen eines menschlichen Fahrers sicher durch den Straßenverkehr zu bewegen. Der Fahrer wird zum Passagier, der das Ziel bestimmt, ansonsten jedoch keine Fahrfunktionen übernimmt. Das Auto navigiert selbstständig durch den Straßenverkehr und reagiert auf andere Verkehrsteilnehmer. Es steuert, bremst und beschleunigt nach dem Ermessen eines internen Algorithmuses.

Im Moment sind derartige Autos jedoch noch nicht auf deutschen Straßen zu finden. Stattdessen arbeiten Hersteller an Assistenzsystemen, die Fahrer schrittweise entlasten, indem sie ihn bei bestimmten Aspekten des Fahrens unterstützen oder diese übernehmen. Beispielsweise helfen Spurführungssysteme dem Fahrer auf der Autobahn eine konstante und sicherer Fahrweise beizubehalten.

Grundsätzlich geht man von fünf Stufen der Entwicklung zum autonomen Fahren aus:

Stufe 0 - Mensch als Fahrer

Herkömmliche Autos werden komplett von einem menschlichen Fahrer kontrolliert, der den Straßenverkehr im Blick behält und den Wagen steuert. Möglicherweise hat er elektronische Assistenzsystemen zur Verfügung, wie zum Beispiel Antiblockiersysteme (ABS), die dem Fahrzeug beim Bremsen bessere Haftung und Lenkbarkeit ermöglichen.

Stufe 1 - Assistiertes Fahren

In dieser Stufe wird der Fahrer von Assistenzsystemen gezielt bei gewissen Aspekten des Fahrens unterstützt. Ein Beispiel für diese Unterstützung ist der Einsatz von Abstandsregeltempomat - oft auch Adaptive Cruise Control (ACC) genannt. Dieses System bestimmt die Entfernung zu dem vorausfahrenden Fahrzeug und bremst automatisch ab, wenn der Abstand sich verringert.

Stufe 2 - Teilautomatisiertes Fahren

Moderne Autos besitzen eine ganze Handvoll von Assistenzsystemen, die dem Menschen das Fahren erleichtern sollen. Neben der Längsführung, die beispielsweise ein Abstandsregeltempomat übernimmt, unterstützen diese Systeme auch bei die Querführung des Autos. Das bedeutet, dass die Assistenten zumindest teilweise auch das Steuer übernehmen und beispielsweise dem Fahrer beim Spurhalten oder Einparken helfen. Der Fahrer bleibt jedoch stets in der Verantwortung für das Fahrverhalten seines Autos und muss im Notfall stets eingreifen können.

Gut zu wissen: Autos in der Automatisierungsstufe 2 gehören heutzutage (Stand Oktober 2018) bereits fest zum Straßenbild. Mehrere Hersteller produzieren Autos, die serienmäßig mit derartigen Assistenzsystemen ausgestattet sind.

Stufe 3 - Bedingungsautomatisiertes/ hochautomatisiertes Fahren

In der Zukunft werden Assistenzsysteme schrittweise weitere Aufgaben des Fahrers übernehmen, sodass dieser das Fahren zeitweise komplett dem Auto überlassen kann. Selbstfahrenden Autos der dritten Automatisierungsstufe werden gewisse Entscheidungen selbstständig treffen und umsetzen können: Beispielsweise, wann das Auto die Spur wechselt oder abbiegt. Der Fahrer muss allerdings stets in der Lage sein, auf Warnhinweise des Assistenten schnell zu reagieren und im Notfall das Steuer wieder zu übernehmen.

Gut zu wissen: Teilautomatisiertes Fahren ist in Deutschland im Moment lediglich auf klar gekennzeichneten Teststrecken erlaubt. Die technische Entwicklung ist allerdings so weit fortgeschritten, dass der Gesetzgeber eine Zulassung für selbstfahrende Autos dieser Automatisierungsstufe für Autobahnen prüft.

Stufe 4 - Vollautomatisiertes Fahren

Autos der vierten Automatisierungsstufe werden nicht mehr auf einen Einsatz auf Autobahnen beschränkt sein. Unterschiedliche Entwickler arbeiten an Systemen, die dem Auto erlauben, hochkomplexe Verkehrssituationen mit Mischverkehr und unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmern zu bewältigen. Der Fahrer kann während der Fahrt anderen Tätigkeiten nachgehen, wird jedoch nach wie vor gewarnt, wenn das Auto an seine Grenzen stößt. Im Gegensatz zu Autos der Stufe 3 hat ein Auto der Stufe 4 eine Lösung parat für den Fall, dass der Fahrer zu spät oder gar nicht reagiert. Vollautomatisierte Autos treffen dann selbstständig eine Entscheidung und stoppen beispielsweise am Straßenrand.

Stufe 5 - Autonomes Fahren

Die letzte Stufe der Automatisierung klingt für viele Autofahrer noch immer wie Science Fiction. Völlig selbstfahrende Autos werden auf den ersten Blick erkennbar sein, denn sie kommen ohne Lenkrad, Armaturenbrett oder Gaspedal aus. Der Fahrer wird zum Passagier, weshalb ein Führerschein oder Fahrtüchtigkeit nicht länger erforderlich sind. Das Auto navigiert völlig selbstständig durch den Straßenverkehr, ob innerorts oder auf der Autobahn, und trifft eigenständig Entscheidungen.

Überblick:

Stufe Wer steuert das Auto? Wer beobachtet den Straßenverkehr? Wer übernimmt im Notfall? Status (November 2018)
(0) Mensch als Fahrer Mensch Mensch Mensch zugelassen
(1) Assistiertes Fahren Mensch/ Auto Mensch Mensch zugelassen
(2)Teilautomatisierung Auto Mensch Mensch zugelassen
(3) Bedingte Automatisierung Auto Auto Mensch technisch möglich, nicht zugelassen
(4) Vollautomatisierung Auto Auto Auto in Planung
(5) Autonomes Fahren Auto Auto Auto in Planung


Wann kommen die selbstfahrenden Autos?

Experten rechnen damit, dass Wagen der Autonomisierungsstufe 3 spätestens ab dem Jahr 2020 auf gewissen Strecken zugelassen werden. Auf Autobahnen ist der Einsatz von bedingungsautomatisierten Wagen technisch bereits möglich. Der Hauptgrund für die Verzögerung der Entwicklung von selbstfahrenden Autos ist die fehlende rechtliche Grundlage. Hersteller, Versicherungen und Gesetzgeber ringen unter anderem um eine Neudefinition der Haftfrage.

Die Haftungsfrage: Wer trägt die Verantwortung für Unfälle?

Auch wenn die Automatisierung von Kraftfahrzeugen zu deren Sicherheit beträgt, werden sich Unfälle nie ganz ausschließen lassen. Dann stellt sich die Frage: Wer haftet für den entstandenen Schaden? Solange der Mensch als Fahrer die Verantwortung trägt, ist die rechtliche Lage klar: Wenn ein menschlicher Autofahrer einen Fehler macht, steht er für die Konsequenzen ein und seine Haftpflichtversicherung übernimmt die Kosten, die einem Dritten entstanden sind.

Je mehr Verantwortung der Fahrer an das selbstfahrende Auto abgibt, desto schwieriger wird die Ermittlung eines Schuldigen. Wenn ein Auto der Stufe 3 oder 4 den Autofahrer auffordert, die Kontrolle zu übernehmen und der Fahrer dies versäumt, wird er wohl weiterhin die Verantwortung tragen. Wenn es sich allerdings um ein völlig autonom fahrendes Auto der Stufe 5 handelt, kann der Fahrer nicht für Fehler verantwortlich gemacht werden. Geklärt werden muss nun die Frage, ob dessen Versicherung dennoch die Schadensabwicklung übernimmt und in welcher Form der Hersteller verantwortlich für die Entscheidungen selbstfahrender Autos bleibt.

Die ethische Frage: Wer soll geschützt werden?

Leider haben Unfälle im Straßenverkehr nicht nur Sachschäden zur Folge, sondern mitunter auch Personenschäden. Auf der einen Seite schweben im Falle eines Unfalls die Fahrzeuginsassen in Gefahr. auf der anderen Seite stehen andere Verkehrsteilnehmer, wie zum Beispiel Fußgänger oder Fahrradfahrer. Im Falle einer drohenden Kollision muss ein menschlicher Fahrer innerhalb von Millisekunden eine Entscheidung treffen, die in manchen Fällen das Leben eines Verkehrsteilnehmers zu Lasten eines anderen Verkehrsteilnehmers rettet.

Algorithmen sind theoretisch besser für derartige Entscheidungen gerüstet - die Rechenleistung eines Computers übersteigt die mentalen Kapazitäten eines Menschen um ein Vielfaches. Allerdings bedeutet das, dass die Programmierer der selbstfahrenden Autos entscheiden müssten, welches Menschenleben das Auto im Notfall schützt.

Was sind die Vorteile von autonomen Fahren?

Unklare Haftung, moralische Dilemma - so manch ein Autofahrer fragt sich möglicherweise, warum die Automobilindustrie in selbstfahrende Kraftfahrzeuge investiert. Doch tatsächlich hat autonomes Fahren ein enormes Potential für die Gesellschaft. Befürworter der Technologie unterstreichen folgende Vorteile:

1. Automatisiertes/ Autonomes Fahren ist sicherer - Auch wenn die Technologien, die selbstfahrenden Autos bei der Navigation durch den Straßenverkehr helfen, noch nicht völlig ausgereift sind, sind sie jedoch bereits zuverlässiger als menschliche Fahrer. Computersysteme werden nicht müde, lassen sich weder von dem Beifahrer noch dem Handy ablenken und können schneller auf unerwartete Situationen reagieren.

2. Automatisiertes/ Autonomes Fahren ist umweltschonender - Selbstfahrende Autos wählen stets den wirtschaftlichsten Fahrstil und können sich auf Autobahnen zu Kolonnen zusammenschließen, die vom Windschatten des Vordermanns profitieren. So wird Sprit gespart und Stau vermieden.

3. Autonomes Fahren revolutioniert Mobilität - Wer zu jung für einen Führerschein ist, oder aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht fahrtüchtig ist, ist im Moment auf die Hilfe anderer angewiesen. Selbstfahrende Autos können helfen, diese Menschen mobil zu machen und so besser in die Gesellschaft zu integrieren.

Fazit: Was ist die Prognose für die Zukunft?

Die Automatisierung von Autos schreitet voran, doch passionierte Autofahrer müssen sich noch keine Gedanken machen. Wer heute ein nicht-automatisiertes Auto kauft, wird dies voraussichtlich noch viele Jahre lang fahren dürfen.

Demnach wird das Bild auf deutschen Straßen voraussichtlich noch einige Jahrzehnte lang von Mischverkehr geprägt sein: teil- oder vollautomatisierte Autos werden sich schrittweise unter herkömmliche Modelle mischen - wenn der Mensch sich darauf einlässt.